Märchen - Grimm-Jahr 2014
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Märchen

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200 Jahre "Kinder- und Hausmärchen"

Handexemplare "Kinder- und Hausmärchen", © Stadt Kassel Bild vergrößern
Handexemplare "Kinder- und Hausmärchen"
© Stadt Kassel

Am 20. Dezember 1812 erschien die Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen". Inzwischen sind Grimms Märchen weltweit bekannt; sie wurden in rund 160 Sprachen übersetzt – Ausdruck grenzenloser Grimm-Verehrung.

Die Entstehungsgeschichte

Es war im Jahre 1803, da lernten Jacob und Wilhelm Grimm während ihrer Studienzeit in Marburg die beiden Romantiker Clemens Brentano und Achim von Arnim kennen, die damit begonnen hatten, historische und volkstümliche Texte vor der Vergessenheit zu bewahren. Zu der Sammlung, die sie "Des Knaben Wunderhorn" nannten, steuerte auch das Brüderpaar einige Fundstücke bei. Vor allem aber ließ dieser Kontakt in ihnen die Idee wachsen, die Welt der Märchen, die nur durch mündliche Überlieferung am Leben geblieben war, zwischen zwei Buchdeckel zu bannen und so für die Nachwelt zu sichern. 1806, als sie nach ihrem Studium nach Kassel zurückgekehrt waren, begannen die Brüder ihre Sammeltätigkeit. Und sie schöpften keineswegs nur aus schriftlichen Quellen; sie setzten vielmehr auch auf mündliche Überlieferungen.

Die Beiträger

Die Suche nach Märchenerzählern stand unter einem guten Stern, denn in Kassel und im Umland fanden die Grimms zahlreiche "Beiträger". Ihre wichtigste Quelle wurde Dorothea Viehmann – keineswegs eine alte Bäuerin, wie die Grimms sie einmal beschrieben, sondern eine gebildete Frau mit hugenottischen Wurzeln, die mit französischen Märchen ebenso vertraut war wie mit der regionalen Erzähltradition.
Begnadete Fabuliererinnen waren auch die sechs Töchter der Apothekerfamilie Wild, aus Bern in die Kurhessenmetropole gezogen. Den jungen Damen verdankten die Grimms auch italienische, süddeutsche und rätoromanische Märchenelemente. Eine der Apotheker-Töchter, Dorothea Wild, genannt "Dortchen", wurde 1825 Wilhelm Grimms Frau.
Etwa 50 Märchenpaten weist die Erstausgabe aus. Darunter auch Ludovica "Lulu" Jordis, eine der zahlreichen Schwestern von Clemens Brentano, Wilhelmine von Schwertzell, die Schwester eines Schulfreundes von Wilhelm Grimm aus Willingshausen in der Schwalm, die Pfarrerstochter Friederike Mannel aus Schwalmstadt-Allendorf und der in Schauenburg ansässige Dragonerwachtmeister Johann Friedrich Krause. In den Geschichten, die der Wachtmeister den Grimms erzählte, hat es übrigens nie eine weibliche Heldin und auch keine bildschönen Feen gegeben, sondern eher Hexen und garstige alte Frauen. Für die Märchen über schöne Jungfrauen und bezaubernde Prinzessinnen waren eher Marie und Jeannette Hassenpflug – ebenfalls mit hugenottischen Wurzeln – zuständig.

Die Veröffentlichung

Am 20. Dezember 1812, kurz vor Weihnachten also, erschien das Buch unter dem Titel "Kinder- und Hausmärchen". Doch als Präsent für den Gabentisch erwies sich die Anthologie als zu spröde: Nicht nur die unterschiedlichen Erzählstile und viele ausgemalte Grausamkeiten irritierten, auch die wissenschaftlichen Anmerkungen der Brüder waren nicht eben dazu angetan, ein breites Lesepublikum zu erobern. Noch schleppender gestaltete sich der Verkauf des zweiten Bandes, der 1815 erschien. Jacob, den Älteren, focht das mangelnde Interesse nicht weiter an, denn sein Hauptinteresse war die Sicherung einer mündlichen Kultur in wissenschaftlicher Form gewesen. Wilhelm aber, der die kindliche Leserschaft im Auge und bereits im ersten Band behutsam redigierend Hand angelegt hatte, entwickelte in den nächsten Jahren seinen ureigenen romantischen Märchenstil. Und er wandelte allzu anstößige, amoralische Geschichten im Sinne bürgerlicher Wertvorstellungen um: Böse Mütter wurden zu bösen Stiefmüttern, nackte Prinzen prächtig gekleidet und Rapunzels Schwangerschaft blieb für die böse Zauberin wie für den geneigten Leser unentdeckt. Mit der Neuauflage von 1819, die Wilhelms stilistische wie dramaturgische Korrekturen enthielt und die – wie die Ausgabe letzter Hand von 1857 – rund 200 Märchen umfasste, begann die Entwicklung vom Ladenhüter zum Bestseller. Diesen Rang erreichte 1825 bereits die "Kleine Ausgabe", die 50 ausgewählte Märchen enthielt, geschmückt mit Illustrationen des jüngeren Bruders Ludwig Emil Grimm.

Die Märchen

Manche der in die Sammlung aufgenommenen Märchen sind lakonische Zwölfzeiler, wieder andere umfassen mehrere Seiten. Viele beschreiben den steinigen Weg ihrer meist moralisch untadeligen Protagonisten, überwiegend allerdings Protagonistinnen, durch Nacht zum Licht. Ein paar der Geschichten sind in Dialekten abgefasst, die meisten indes in Wilhelm Grimms romantischem "Volkston". Knapp die Hälfte beginnt mit "Es war einmal", das eine oder andere aber auch mit "In alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat". Die bekanntesten unter ihnen tragen fast ausschließlich den Namen einer weiblichen Figur.

"Rotkäppchen" – ein kleines Mädchen, das sich, anstatt auf dem kürzesten Wege zur kranken Großmutter zu gelangen, mit dem bösen Wolf einlässt, der nicht nur die Großmutter, sondern auch Rotkäppchen selbst verschlingt. Die Rettung kommt in Gestalt eines Jägers.

"Dornröschen" – das hübsche Königskind, dem zunächst der Tod und dann "nur" ein hundertjähriger Schlaf vorhergesagt wird. Alle Schutzmaßnahmen des Königs helfen nicht: Die Prinzessin fällt mitsamt dem Hofstaat in einen tiefen Schlaf und das Schloss wird von einer undurchdringlichen Dornenhecke umgeben. Die Rettung kommt hier durch einen wachküssenden Prinzen.

"Schneewittchen" – ein ebenfalls wunderschönes Mädchen, dessen Stiefmutter es nicht ertragen kann, an Schönheit übertroffen zu werden, und die ihr Stiefkind deshalb umzubringen versucht. Die Hübsche findet bei sieben Zwergen Zuflucht, entgeht dort aber nicht den Mordversuchen der Neiderin. Dass sie am Ende überlebt, verdankt sie dem Stolpern der Sargträger, das ein vergiftetes Apfelstück doch noch aus der Speiseröhre der Totgeglaubten zaubert.

"Aschenputtel" – ein junges, schönes und gütiges Mädchen, das von seiner Stiefmutter und den Stiefschwestern versklavt wird, am Grab ihrer leiblichen Mutter ihr Leid klagt und dort auf wundersame Weise Hilfe für die ihr auferlegte Arbeit und überdies auch noch allerschönste Kleider und mit Silber bestickte Schuhe bekommt. Am Ende wird sie dank ihrer ungewöhnlich zierlichen Füße von ihrem Traumprinzen gefunden.

Auch in "Frau Holle" konkurrieren Stiefschwestern, die eine hässlich und faul, die andere hübsch und fleißig. Und es versteht sich fast von selbst, dass die Gute am Ende belohnt und die Böse bestraft wird.

Bei "Hänsel und Gretel" handelt es sich um Geschwister, die auf Geheiß einer herzlosen Mutter im Wald ausgesetzt werden und dort von einer Hexe eingesperrt werden, die sie mästen und dann essen will. Dank Gretel brennt am Ende die Hexe im Ofen.

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