Werk und Wirkung - Brüder Grimm - Grimm-Jahr 2014
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Brüder Grimm

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Werk und Wirkung

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Weltruhm haben Jacob und Wilhelm Grimm aufgrund ihrer Sammlungen der "Kinder- und Hausmärchen" erlangt. Doch ihr Betätigungsfeld reichte weit über die Sicherung des Märchenschatzes hinaus.

Jacob und Wilhelm Grimm waren Rechtsgelehrte und Bibliothekare, Schriftsteller und Spracharchäologen, Hochschullehrer, Universalgelehrte – und, wenn die Umstände es erforderten, auch Politiker.

Die Brüder gelten, aufgrund ihrer historisch-systematischen Bestandsaufnahme des deutschen Wortschatzes und der deutschen Sprachaltertümer, neben Karl Lachmann und Georg Friedrich Benecke als Begründer der Germanistik, sie gaben aber auch der Grundlagenforschung in anderen europäischen Sprachräumen wertvolle Impulse. Im Marburger Romantikerkreis um Achim von Arnim und Clemens Brentano spielten sie eine gewichtige Rolle und Goethe, der Wilhelm Grimm persönlich kennenlernte, war voll des Lobes über die philologischen Studien der Brüder.

Ihr Forscherdrang, dessen Ergebnisse sich in einem umfangreichen Werkverzeichnis manifestieren, entsprang der Überzeugung, dass in der fernen Vergangenheit die Wurzeln für die zeitgenössischen Zustände liegen. "unsere sprache ist auch unsere geschichte", hat Jacob Grimm in konsequenter Kleinschreibung formuliert.

Die systematische Erforschung dieser Sprach-Geschichte hatte, neben dem philologischen Erkenntnisinteresse, immer auch eine politische Motivation. Jacob und Wilhelm Grimm wollten ihr "Deutsches Wörterbuch" als Ausdruck einer "erstarkten liebe zum vaterland und untilgbaren begierde nach seiner festeren einigung" verstanden wissen. Wenn man bedenkt, dass zu Lebzeiten der Grimms das Gebiet des einstigen "Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" in unzählige Klein- und Kleinststaaten zerfallen war, hat diese Begierde gleichsam revolutionäre Energie: Den partikularen Interessen der regierenden Fürsten stellten Jacob und Wilhelm Grimm im Vorschein der sprachlichen die zu erstrebende nationale Einheit gegenüber. Zugleich aber war ihr Denken geprägt von einer entschieden bürgerlich-liberalen Gesinnung, welche sie, infolge des Protests der "Göttinger Sieben" gegen die Aufhebung der für die damalige Zeit liberale Verfassung durch Ernst Augusts I. von Hannover, für einige Jahre zu "unbegünstigten Privatgelehrten" machte. Besonders eindrücklich spiegelt sich diese Gesinnung in Jacobs Teilnahme an der Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter Paulskirche. Sein dort gestellter Antrag zum Artikel 1 der Grundrechte lautete: "Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei."

Die Hauptwerke

"Über den Altdeutschen Meistergesang" (Jacob Grimm, 1811)
Diese Abhandlung setzte den wohl wichtigsten Markstein der neuzeitlichen Meistersangforschung. Es sollte Jacob Grimms einzige umfangreichere literarhistorische Studie bleiben.

"Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen" (Wilhelm Grimm, 1811)
Eine Sammlung altdänischer Volkspoesie, die Wilhelm übersetzt und mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Beschäftigung mit den Sprachschätzen der Vergangenheit versehen hat.

"Hildebrandslied und Wessobrunner Gebet" (Hrsg. Jacob und Wilhelm Grimm, 1812)
Das Hildebrandslied und das Wessobrunner Gebet sind die ältesten erhaltenen poetischen Textzeugnisse in deutscher Sprache; beide stammen aus dem 9. Jahrhundert. Wilhelm und Jacob Grimm waren die ersten wissenschaftlichen Editoren. Der eigentlich anonyme Text des Heldenliedes erhielt seinen heute geläufigen Titel durch die Herausgeber.

"Kinder- und Hausmärchen" (gesammelt durch die Brüder Grimm, 1812)
Die Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" erschien in der Vorweihnachtszeit 1812. 1815 lag der zweite Band vor, im Jahr 1819 wurde der erste Band stark überarbeitet neu aufgelegt. Die Anmerkungen zu den Märchen beider Bände wurden 1822 als dritter Band veröffentlicht. Im Jahr 1825 erfolgte die Herausgabe einer "Kleinen Ausgabe" der Kinder- und Hausmärchen. Für diese Aufgabe konnten die Brüder ihren Bruder Ludwig Emil als Illustrator gewinnen. In dieser Form traten die Märchen ihren Siegeszug um den Globus an.

"Deutsche Sagen" (gesammelt durch die Brüder Grimm, 1816/1818)
Die beiden Bände vereinen fast 600 Sagen aus dem gesamten deutschen Sprachraum.

"Deutsche Grammatik" (Jacob Grimm, 1819)
Das umfangreiche Kompendium bezieht sich auf sämtliche germanische Sprachen, ihre inneren Zusammenhänge und ihre geschichtliche Entwicklung. Bis 1837 erscheinen zwei weitere Bände

"Über deutsche Runen" (Wilhelm Grimm, 1821)
Wilhelm Grimm weist aus allen damals erreichbaren Quellen das Vorhandensein der Runenschrift bei den Sachsen und deren Rolle für die Verbreitung der Runen nach.

"Deutsche Rechtsaltertümer" (Jacob Grimm, 1828)
Der Band befasst sich mit mittelalterlicher Rechtspraxis, Rechtsanschauung und Rechtssymbolik. Viele der hier aufgenommenen Materialien hatte er schon in seiner Marburger Studienzeit gesammelt.

"Die deutsche Heldensage" (Wilhelm Grimm, 1829)
Wilhelm Grimm bezeichnete "Die deutsche Heldensage" als sein "Hauptwerk". Der Band enthält nicht nur eine umfangreiche Sammlung von Sagen vom 6. bis zum 16. Jahrhundert, sondern auch aufschlussreiche Kommentare zu Stoffen, ihrer Geschichte und ihrer künstlerischen Verarbeitung.

"Deutsche Mythologie" (Jacob Grimm, 1832)
Dieses mit sehr viel Beifall aufgenommene Werk Jacob Grimms aus der Göttinger Zeit rekonstruiert die religiösen Vorstellungen der deutschen Stämme vor der Christianisierung. Band 2 erscheint 1844, Band 3 1854.

"Reinhart Fuchs" (Jacob Grimm, 1834).
Diese Abhandlung bildet den Ausgangspunkt der Erforschung und Interpretation des mittelalterlichen Tierepos.

"Deutsches Wörterbuch", Band 1 (Jacob und Wilhelm Grimm, 1854)
Der Band enthält eine umfassende Vorrede Jacob Grimms mit wichtigen Anregungen zur Lexikographie, Sprachgeschichte, Orthographie und Sprachpflege. Das Wörterbuch selbst ist kein Lexikon im landläufigen Sinne, sondern eine Expedition zu den Wurzeln des Sprachgebrauchs, bis hin zu lateinischen, griechischen und indogermanischen Quellen. Den Arbeitsumfang hatten die Brüder auf sechs bis zehn Jahre geschätzt. Es sollte anders kommen: Vor seinem Tod 1859 hatte Wilhelm gerade den Buchstaben "d" komplettiert; Jacobs letzter Eintrag galt dem Wort "Frucht". Erst 1961, 123 Jahre nach Beginn der Forschungsarbeit, war das 33-bändige Werk vollendet.

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